Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz in den USA

Während der "Safety 2018" Konferenz in San Antonio, Texas, hatte Christian Fürst die Gelegenheit, sich mit zahlreichen Experten über die Themen Sicherheit, Risikomanagement und Umweltschutz auszutauschen.

Die "Safety" Konferenz wird alljährlich von der American Society of Safety Professionals (ASSP) ausgerichtet - bis Juni 2018 bekannt als die American Society of Safety Engineers (ASSE).

Regelungen zur Arbeitssicherheit in Europa

In Europa gibt es verschiedene Richtlinien, die helfen sollen, Unfälle am Arbeitsplatz zu reduzieren und die Sicherheit zu erhöhen.
In Deutschland werden diese beispielsweise umgesetzt durch die Betriebssicherheits-Verordnung, die Gewerbeaufsicht, die Unfallverhütungsvorschriften (UVV) und die Regeln der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV-Regeln).

Auf europäischer Ebene übernimmt die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) die Rolle eines Vermittlers, um Informationen über sicherere Arbeitsplätze zu sammeln, zu analysieren und an Arbeitgeber weiterzugeben. Sie leistet dabei auch wichtige Beratung von Unternehmen, um die Sicherheit am Arbeitsplatz zu erhöhen.

Arbeitsschutzrechtliche Regelungen in den USA

Ähnlich wie in Europa gibt es in den Vereinigten Staaten eine Bundesbehörde für Arbeitssicherheit, die Occupational Safety and Health Administration (OSHA).
Zusätzlich gibt es für den Bergbau die Mine Safety and Health Administration (MSHA). Sie gliedert sich in verschiedene Bereiche auf, z. B. Kohle-, Metall- und Nicht-Metallabbau.

Sowohl OSHA als auch MSHA wurden in den 80ern aufgrund neuer Gesetze zur Sicherheit am Arbeitsplatz gegründet.
Bemerkenswert ist, dass das Grundlagengesetz (der OSH Act) für OSHA seit 1970 nicht merklich verändert wurde. Es enthält z. B. keine Expositionsgrenzwerte für eine Vielzahl von Chemikalien, die es in den 80ern noch nicht gab.
Nach einer Reihe von Grubenunfällen, die große öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zogen, wurde der Mine Act 2006 überarbeitet und beinhaltet seitdem vorgeschriebene jährliche Inspektionen jeder Mine durch die MSHA.

Unabhängig von der Sicherheitsleistung werden Tiefbau-Minen dabei mindestens 4 Mal pro Jahr und Tagebau-Minen mindestens 2 Mal pro Jahr inspiziert.
Bei der OSHA sind dagegen keine Inspektionen der Arbeitsstätten vorgeschrieben. Erschwerend kommt der finanzielle Aspekt hinzu: mit den aktuell zur Verfügung stehenden Mitteln könnte jeder Arbeitgeber, der unter OSHA fällt, nur alle 159 Jahre überprüft werden.

Als anschauliches Beispiel kann man sich vorstellen, dass die MSHA in einem 5-Mann-Steinbruch mindestens 2 Mal pro Jahr eine vollständige Überprüfung durchführt. Gleichzeitig ist es auf der anderen Seite möglich, dass eine 200-Mann starke Chemiefabrik nie von der OSHA überprüft wird - außer es gibt eine Meldung oder einen Zwischenfall.
Ähnlich groß sind auch die Diskrepanzen bei der Strafverfolgung.

Ein brisantes Beispiel, wie die Rechtsprechung in den USA u. a. davon abhängt, wer gerade im Weißen Haus sitzt, hat Adele Abrams auch aufgeführt.
So haben sich die Minenunfälle im Kohlesektor innerhalb des letzten Jahres verdoppelt, nachdem sie unter Präsident Obama stark zurückgegangen waren.
Die wichtige und zudem überfällige Ergänzung des OSH Acts um Expositionsgrenzwerte analog zu ähnlichen internationalen Standards wie z. B. der europäischen Chemikalienverordnung REACH wurde für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. – Hier ist ein Unterschied zu Europa deutlich zu spüren, denn die EU hat bei vielen Themen mittlerweile für vergleichbare Standards gesorgt und so sind die einzelnen Länder nicht in der Lage, alles "mal eben" umzuwerfen.

Internationaler Vergleich

Im internationalen Vergleich schneidet Europa, gerade was den Schutz vor Chemikalien am Arbeitsplatz angeht, deutlich besser ab als die USA.

In Kanada gibt es im Gegensatz zu den USA auch Gesetze zum Schutz vor Gewalt am Arbeitsplatz.
Das ist interessant, da statistisch gesehen zwar mehr Männer als Frauen am Arbeitsplatz tödlich verunglücken, aber gleichzeitig Gewalt am Arbeitsplatz die häufigste Todesursache für Frauen am Arbeitsplatz darstellt. Dies betrifft vor allem klassische Frauenberufe im Gesundheits- und Sozialwesen.
Auch Schießereien an Schulen, bei denen z. B. Lehrkräfte verletzt oder getötet werden, zählen hierzu.

Arbeitssicherheit hängt nicht nur vom Produkt-Hersteller, sondern in erster Linie vom Betreiber ab!

Grundsätzlich sollten sich Arbeitgeber ihrer Verantwortung um die Gesundheit ihrer Arbeitnehmer bewusst sein. Daher sollten sie auch mehr als nur die gesetzlich erhobenen Mindestanforderungen erfüllen. Dabei geht es nicht nur um die eigenen Angestellten, sondern um jeden Arbeitnehmer, der auf dem Firmengelände arbeitet - auch Leih-, Zeitarbeiter, Mitarbeiter von Dienstleistern und Freelancer.
Gerade in den USA ist bei Verstößen - vielleicht aus Unwissenheit und ohne böse Absicht - ein außergerichtlicher Vergleich zusammen mit einer entsprechenden Anpassung der Schutzmaßnahmen und Erweiterung der Schulungsprogramme oftmals der beste Weg.

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