Gibt es rechtliche Vorgaben an Software-Dokumentation?

Wir geben einen groben Leitfaden, ob rechtliche Vorgaben zur Dokumentation von Software existieren.

Wie immer kommt es darauf an, wie man Dinge betrachtet - und auch, um welche Software es konkret geht. Das heißt, welchen Funktionsumfang hat sie, wo greift die Software ggf. ein, etc.

Es ist bei diesem Thema nicht möglich, allgemein gültige Aussagen zu machen. Daher weisen wir explizit darauf hin, dass die folgenden Rahmenbedingungen nur allgemein gültig sind und in jedem Einzelfall verifiziert werden müssen.

Wie sollte man Software einordnen?

Generell gibt es einige rechtliche Ansprüche. Diese können sowohl abhängig vom einzelnen Land, als auch von Wirtschaftsräumen (z. B. EU) sein.

Im Folgenden machen wir auf einige Besonderheiten in der EU und zusätzlich manchen Ländern aufmerksam. Außerdem spielt es eine große Rolle, ob Ihre Software ein eigenständiges Produkt ist – oder Teil eines gesamten Produkts, das ggf. wieder weiteren rechtlichen Anforderungen genügen muss.

Innerhalb der EU

Software kann man als Produkt einordnen. Damit ist besonders innerhalb der EU die Produkthaftungsrichtlinie und Produktsicherheitsrichtlinie relevant.

Aber es kann noch deutlich mehr dazu kommen. Beispielsweise, wenn Ihre Software nicht "alleine dasteht", sondern in Zusammenhang mit einem Produkt vermarktet wird. Dann muss Ihre Software ggf. auch Ansprüchen aus den Produkt-Anforderungen genügen.

Länderspezifisch

Länderspezifisch gibt es zusätzlich noch einiges zu beachten. Je nachdem, in welches Land Sie Ihre Software verkaufen, müssen dort ggf. zusätzliche Vorgaben eingehalten werden.

So gibt es sogenannte Sprachschutz-Regelungen für Frankreich und Polen. Diese verlangen von Produkten, dass die Landessprache verwendet wird. Selbiges lässt sich damit für die Dokumentation ableiten. Dabei ist es nicht ausreichend, mit Ihrem Kunden eine davon abweichende Regelung vertraglich zu treffen. Sobald Sie in diese Länder Software verkaufen, müssen die jeweiligen Landessprachen genutzt werden, so ist es vom Gesetzgeber gefordert.

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Welche Rollen spielen dann Normen?

Im Schadensfall wird eventuell sogar ein Gericht dafür zuständig sein, Ihr Produkt einzuordnen. Wenn Sie Ihre Software von einem Nicht-Fachmann prüfen lassen müssen, wird dieser sich voraussichtlich an dem orientieren, was man im allgemeinen Sprachgebrauch "Stand der Technik" nennt. Dieser ist in Normen festgehalten.

Sollte es also Normen geben, die auf Ihre Software zutreffen, ist es immer sinnvoll, die Anforderungen daraus zu prüfen und möglichst einzuhalten. Auch wenn das manchmal der "umständlichere" Weg ist. So können Sie im Zweifelsfall nachweisen, dass Sie die aktuellen Anforderungen erfüllt haben.

Gerade bei der Dokumentation von Software finden sich einige Normen, die Anforderungen aufstellen. Im Folgenden finden Sie eine kurze, unvollständige Auswahl von Normen für die Software-Dokumentation:

ANSI/IEEE 1063 Standard for Software User Documentation

  • Mindestanforderungen an Struktur, Inhalt und Format von Software-Benutzerdokumentation
  • gedruckte und elektronische Dokumentation
  • daraus lässt sich ein unternehmensinterner "Style Guide" für die Benutzerdokumentation entwickeln
  • als Grundlage für Verträge mit Doku-Dienstleistern

ISO 15289 Systems and software engineering – Content of life-cycle information products (documentation)

  • Zweck und Inhalt von Dokumenten
    • im System- und Softwarelebenszyklus
    • im IT Service Management

ISO/IEC 26514 System and software engineering

  • Gestaltung und Entwicklung von Software-Benutzerdokumentation
  • Teil des Software-Entwicklungsprozesses
  • Dokumentationsprozess und Dokumentationsprodukt
  • Struktur, Inhalt und Format der Benutzerdokumentation
  • Stil-Leitfaden
  • gedruckte und On-Screen-Dokumentation
  • teilweise auch für Benutzerdokumentation für Systeme einschl. Hardware

ISO/IEC 18019 Software and system engineering

  • Phasen zur Gestaltung und Vorbereitung von Benutzerdokumentation für Anwendungssoftware
  • Konzipieren, Gestalten und Vorbereiten der Dokumentation
  • Zielgruppe: Anwendungssoftware Evaluierer, Autoren, Hersteller von On-Screen-Autorentools, Produkt-Designer, Programmierer, Projektmanager, Software-Entwickler, Übersetzer