Die Anleitung als Kaufkriterium

Anleitungen zu lesen scheint eine ausgefallene Tätigkeit zu sein. Wann es Spaß macht, erfahren Sie hier.

Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen ist mein viel genutztes Multifunktionsgerät mit Mikrowelle, Grill und Heißluft kaputtgegangen. Was also tun, wenn sich viel Verwandtschaft zum Essen angekündigt hat und man nicht auf das Gerät verzichten möchte?

Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder ist man so begabt, dass man das Gerät reparieren kann - oder man schafft sich ein gleichwertiges, neues Gerät an.

Mein Mann und ich haben uns für die zweite Variante entschieden. Also ging es am 23.12. noch schnell in ein Elektro-(Fach-)Geschäft.

Wenn die Entscheidung schwer fällt…

Nach einigem Suchen wurden wir zumindest bezüglich einer Verkäuferin fündig, die uns dann auch endlich die gewünschten Modelle zeigen konnte. Allein die Größe des Innenraums hat die Auswahl auf zwei Produkte eingeschränkt.

Schon ging es darum, eine Entscheidung zu treffen, welches der beiden Geräte gekauft werden soll.

Nachdem wir beide Marken nicht kannten und keine Erfahrungen damit hatten, wäre unser erstes Kriterium der Preis gewesen. Einfache Entscheidung: das günstigere, wenn ein Unterschied von mehr als 20 Euro auszumachen ist. Dem war natürlich nicht so.

… hilft ein Blick in die Bedienungsanleitung

Ich, als Technische Redakteurin, habe daraufhin meine "Berufskrankheit" der Neugierde eine Rolle spielen lassen. Als ich die Verkäuferin höflich gefragt habe, wo ich die Bedienungsanleitungen der beiden Geräte finden würde, wurde ich erst einmal wie ein Alien mit groß aufgerissenen Augen angesehen. - Mein Mann lachte und sagte, "diesmal halten sie aber DICH alle für einen Nerd", und zeigte auf das Pärchen, das hinter uns stand und scheinbar auf die Verkäuferin wartete.

Mit der Hilfe eines Kollegen konnten dann tatsächlich die Bedienungsanleitungen der beiden Geräte beschafft werden. - Und ich hatte dann doch tatsächlich die Frechheit, der Verkäuferin mitzuteilen, dass ich jetzt ein paar Minuten Zeit bräuchte, um in beide Anleitungen mal "reinzulesen". Wir sind uns noch heute sicher, dass sie das als einen Scherz aufgefasst hat, denn sie ging erst schmunzelnd zu dem anderen Pärchen, als ich demonstrativ ein paar Seiten umgeblättert hatte und anfing zu lesen.

Um es kurz zu machen: Die beiden Anleitungen haben sich extrem deutlich voneinander unterschieden. Obwohl schon rein gesetzlich eine Anleitung beiliegen muss und zumindest dieser Pflicht nachgekommen wurde. Bei einem Gerät besser, beim anderen schlechter.

Die eine

  • in schlechtem Deutsch,
  • vollgestopft bis an den Seitenrand und
  • nicht wirklich übersichtlich;

die andere

  • mit angenehmem Weißraum,
  • Kopf- und Fußzeilen, also gut übersichtlich,
  • Warnhinweisen, auch bei den Handlungen und
  • Beschreibung von Funktionen, die ich auf den ersten Blick dem Gerät gar nicht zugetraut hätte.

Spätestens jetzt sollten Sie ahnen, für welches Produkt ich gestimmt habe. - Auch wenn Anleitung-Lesen scheinbar eine äußerst ausgefallene Freizeit-Beschäftigung ist, uns hat sie bei der Kaufentscheidung doch viele Diskussionen erspart.

Der Nutzen von Bedienungsanleitungen

Vermutlich erzähle ich Ihnen nichts Unerwartetes, wenn ich verrate, dass das Gerät dank guter Anleitung auch ohne großes Ausprobieren das Weihnachtsessen zu einem vollen Erfolg hat werden lassen.

Außerdem konnten wir noch den ein oder anderen Tipp für den Alltags-Gebrauch aus der Anleitung ziehen. Neben Rezepten und Automatik-Programmen war mein Highlight, dass mein Mann sogar einen Blick in die Anleitung geworfen hat, bevor wir das Gerät angeschlossen haben. Und er war sichtlich erstaunt, dass es Regeln zum Aufstellen eines solchen Multifunktionsgerätes gibt, wie z. B. Abstände zur Seite und nach oben - auch wenn die im Nachhinein betrachtet völlig logisch sind.

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